Fernwanderweg E5: Schihütte Zams – Mittelberg

Das Reisetagebuch unserer vierten Etappe auf dem Fernwanderweg E5 von Oberstdorf nach Bozen: Schihütte Zams – Gletscherstube Mittelberg.

Die Übernachtung war wirklich erholsam…und wir werden mit dem ersten Tag mit tollem Wetter und unglaublichem Panorama belohnt…trotz des Ärgers über die verlorenen Socken…

Wäscheservice mit Tücken

Fernwanderweg E5: VenetbahnIch stelle mir den Wecker extra so früh, dass ich der erste Gast in der Schihütte Zams bin, der aufsteht, um als erster die Wäsche wiederzufinden. Grundsätzlich geht der Plan zwar auf…nur waren einige am Vorabend so lange wach, dass diese schneller waren…und anscheinend ein meiner zwei Paar guter Wandersocken mitgenommen haben. Bei der Menge an Wäsche möchte ich aber niemandem Vorsatz vorwerfen…drei Riesen-Wäschekörbe in denen alles durcheinander aus einer Riesen-Maschine geschüttet wurde…da kommt so etwas schon einmal vor. Trotzdem ärgerlich…denn ein paar mehr Wäschesäcke z.B. hätten das Chaos verhindern können…naja.

Dafür haben wir ein gutes, ausgiebiges Frühstück (richtiges Buffet!) und machen uns um 7:30 auf den Weg um die erste Seilbahn zu bekommen.

Mit der Seilbahn zum Krehberg

Fernwanderweg E5: Blick zurück zur SeescharteZu Fuß geht es wieder erst kurz 10 Minuten bergab zur Mittelstation. Das Wetter sieht alles andere als gut aus…eine recht tief hängende, geschlossene Wolkendecke zeigt uns von der Umgebung: garnichts! Selbst die Gondel der Seilbahn sehen wir erst ein paar Meter vorher. Das hält aber nur weniger Minuten, denn wir durchbrechen die Wolkendecke und werden das erste Mal auf der bisherigen Strecke des Fernwanderweg E5 mit einem grandiosen Panorama rund um den Krehberg belohnt! Endlich Sonne, endlich Sonnenbrillen, endlich keine Regensachen mehr!

Es ist kaum zu glauben wie das richtige Wetter ein geradezu beflügelt…unser Aufbruch, unser Tempo ist ein ganz anderes als an den vorherigen Tagen.

Über den Venet (Glanderspitze) zur Galflunalm

Fernwanderweg E5: Bergstation VenetbahnDer Start am Krehberg ist sicherlich auch einfacher als bei den vorherigen Etappen. Zwar gibt es auch einen etwas schnelleren Panormaweg am Hang der Berge, etwas weiter unterhalb, aber wir entscheiden uns für den Gipfelweg. Es geht über das weite Plateau vom Krehberg einen guten, breiten und gut ausgeschilderten Wanderweg in Richtung Venet. Kurz hinab durch eine Senke und dann immer weiter am Grat entlang, bis man mit 2.512m mit der Glanderspitze – wie der Venet eigentlich heißt – den ersten richtigen Gipfel des Tages erreicht.
Fernwanderweg E5: Wegkreuz GlanderspitzeWir genießen den Blick…im Norden erstrecken sich die Allgäuer Alpen in denen wir aufgebrochen sind und mit den Lechtaler Alpen und der Seescharte von gestern. Im Süden erkennen wir die Taleingänge zum Kaunertal und Pitztal, unserem heutigen Ziel.

Von der Glanderspitze geht es weiter über einen zweiten Gipfel (dessen Namen ich noch immer nirgends gefunden habe) in Richtung Kreuzjoch. Kurz vorher geht es dann aber in den Abstieg, einmal den Hang hinunter in Richtung Galflunalm. Auf einer Strecke von nur ca. 1.100m Länge steigen wir rund 600m hinab…und das soll auch schon bald seinen Tribut zollen.

Fernwanderweg E5: Ausblick von GlanderspitzeBis hier hin kam ich mir noch sehr fit vor, gerade bei dieser Etappe aufgrund des schönen Ausblicks und Wetters noch fitter als an den Tagen zuvor. Doch im letzten Drittel des Abstiegs kommen Matsch und immer mehr Geröll- und Steinstufen hinzu. Plötzlich, ohne jegliche Vorankündigung schmerzt mein rechtes Knie als ob jemand ein Messer hineingehauen hätte. Es zieht ungemein, so das mir die Rast an der Galflunalm nicht ungelegen kommt.

Der lange Weg nach Wenns

Fernwanderweg E5: Ausblick von GlanderspitzeLeider hören die Schmerzen nicht auf bzw. werden sie kurz besser und beim nächsten Schritt sind sie wieder so stark da das mein Knie fast zusammensackt. Zum Glück ist der Weg nach Wenns zwar lang, aber als Forstweg sehr gemütlich und mit einem sehr gemässigtem Gefälle. Ich wandel meine Wanderstöcke sozusagen zu Krücken um und humpel die nächsten 9 km nach Wenns weiter ins Tal hinab.
Ab der Hälfte der Strecke wird das erste Mal das Erste-Hilfe-Set mit Salben und Schmerzmitteln aktiviert…nur wirklich richtig besser wird es nicht.

Obwohl sich die Strecke nun doch wesentlich länger zieht als gedacht sind wir nach 6 Stunden gegen 14:00h in Wenns. Wir kaufen ein paar Snacks und halten Kriegsrat was nun zu tun ist. Noch bevor der Bus nach Mittelberg da ist haben wir entschieden: wir fahren zwar nach Mittelberg, da wir dort ja bereits das Quartiert gebucht haben, werden aber dann nicht zur Braunschweiger Hütte aufsteigen. Stattdessen wollen wir am nächsten Tag mit dem Bus zurück von Mittelberg zurück nach Imst und von dort über Sölden nach Zwieselstein. Dadurch überspringen wir zwei Etappen und haben so in Zwieselstein statt dem einen geplanten Tag Pause ganze drei Tage Erholung.
Meine Stimmung leider unter der Misere…denn gerade diese Etappe ausfallen zu lassen ist schon sehr ärgerlich. Und zu meiner Erleichterung halten wir drei zusammen, d.h. meine Begleiter werden die geänderte Strecke mit mir gehen, obwohl ich es ihnen nicht übel genommen hätte, wenn Sie sich die höchste Stelle des gesamten Fernwanderweg E5 nicht hätten entgehen lassen.

Schummelstrecke Nr. 3: Mit dem Bus nach Mittelberg und zur Gletscherstube

Der Bus 4204 bringt uns von Wenns zur Endhaltestelle in Mittelberg. Kurz vor erreichen der Station fängt es draussen an zu schütten, das erste Alpengewitter auf der Tour. Wir schaffen es gerade noch in das nächste Hotel direkt an der Wendestelle um dort wieder die Regenklamotten auszupacken. Die Station sieht aus wie das Ende der Welt…wirklich nur ein Wendekreis mit einem Hotel. Von dort aus führt der Weg hoch in Richtung Braunschweiger Hütte und Karlesferner bzw. Rettenbachferner.
Durch das Gewitter wird es schnell viel dunkler, wir fragen uns wie es manche der Mitreisenden es wirklich noch hoch zur Braunschweiger Hütte schaffen wollen. Gewitter in den Alpen? Starkregen? Und dann noch einen Aufstieg von mehr als 1.100m?

Fernwanderweg E5: Ausblick von Gletscherstube zum Grobkogel und KarleskopfZum Glück haben wir in der Gletscherstube ein Lager reserviert. Diese liegt nur ca. 30 Minuten und etwa 150 Höhenmeter den Weg weiter hinauf. Dieser ist das Stück noch sehr gut ausgebaut und eine Art Forstweg der auch noch befahrbar ist. Zum Glück war das Gewitter zwar heftig, aber nur kurz. Als wir an unserem Ziel ankommen ist es vorbei und es kommt sogar die Sonne wieder zum Vorschein.

Dafür ist unser Lager recht angenehm. Die Stuben hat gutes Essen, ist recht gemütlich und das Panorama rundherum ist wirklich beeindruckend. Sie ist zwar einfach, aber dafür gibt es wieder fließend warm Wasser so viel wir wollen. Und für den Preis kann man nicht meckern. Auch als die Stuben um 20:00 schließt können wir uns noch im Voraus mit Getränken versorgen. Mit uns sind zwei Reisegruppen im Lager, bei Bier und Wein sitzen wir zusammen und spielen noch etwas Uno.

 

Zusammenfassung

Strecke: ca. 20 km (+ 29km Bus)

Höhenmeter: +300m / -1500m

Dauer: 6:30h

Wetter: Sonne / abends Gewitter

Schwierigkeit: mittel

Note: 1-2

Weiter zur Etappe 5: Mittelberg – Braunschweiger Hütte

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